Nachbartreff im Quartier und faltbare Bollerwagen im Haus

280 Wohnungen am Europaplatz – Sieger steht noch nicht fest

 

Erfurt. Wie das künftige Quartier „Europakarree II“ am Europaplatz letztendlich aussehen soll, steht noch nicht fest. Die Jury des Architektenwettbewerbs, den die Tempus Immobilien & Projekt GmbH auslobte, hat bislang nicht einen Sieger, sondern gleich drei Zweitplatzierte gewählt. Die endgültige Entscheidung soll bei einer weiteren Jurysitzung am 16. November fallen, wenn die geforderten Nacharbeiten erfolgt und begutachtet sind.

Im Rennen befinden sich noch die Entwürfe von Naumann Wasserkamp Architekten PartGmbH aus Weimar, hks Architekten GmbH aus Erfurt und Henchion Reuter Architekten aus Berlin. Sie erhielten gestern zur Preisverleihung Urkunden, Blumensträuße und das Preisgeld von jeweils 50.000 Euro brutto. Die Pläne und Modelle bleiben bis zum 16. November in der Stadtteilbibliothek Berliner Platz ausgestellt.

Bedauerlich fanden sowohl Tempus-Geschäftsführer Tobias Schallert, als auch das Preisgericht um Prof. Michael Mann die geringe Abgabequote. Von eigentlich zwölf Architekturbüros, die teilnehmen wollten, reichten nur fünf ihre Entwürfe ein. Mit der Qualität der Arbeiten zeigte sich die Jury jedoch sehr zufrieden und alles wurde einstimmig entschieden, wenn auch nach ausführlicher Diskussion.

Deutliche Unterschiede gibt es laut Jury-Chef Mann in den Ausführungen der drei Zweitplatzierten. Als „ganz klare Stadtkörper“ bezeichnete er die geplanten Gebäude des Weimarer Büros. Wie ein eigenes kleines und lebendiges Quartier kommen die Ideen der Erfurter Architekten daher, über die Frage des Schallschutzes wurde aber viel diskutiert. Die Berliner Architekten schlagen Gebäude mit einer Erschließung über Außengänge vor.

2020 Spatenstich für das Europakarree II

Wenn alles gut läuft, kann der erste Spatenstich 2020 erfolgen. Umgesetzt wird dieser Teil vermutlich vier bis sieben Jahre lang. Bis zu 280 Wohnungen sollen im Europakarree II gebaut werden. Die Hälfte Eigentumswohnungen, 30 Prozent Mietwohnungen und 20 Prozent Sozialwohnungen. „Freiwillig“, wie Schallert betont. Dass soziale Aspekte auch eine Rolle spielen können, obwohl mit Wohnungsbau Geld verdient werden soll, macht Schallert auch an anderen Punkten fest. So ist ein „Nachbartreff“ als Anlaufpunkt geplant. Als künftiger Träger wurde zur Preisverleihung die Lebenshilfe vorgestellt. Die soll die Räume zu einem symbolischen Euro pro Quadratmeter mieten können, kündigte Schaller an.

In Sachen Mobilität sollen die Bewohner des Europakarrees von relativ vielen Carsharing-Plätzen profitieren. Die Anbindung an die Stadtbahn liegt zudem direkt vor der Haustür. Außerdem soll jeder Wohnung ein faltbarer Bollerwagen zum Transport der Einkäufe zugeordnet sein. „Damit können Sie in den barrierefreien Wohnungen direkt bis vor den Kühlschrank rollen – ob von der Tiefgarage aus, von der Straßenbahnhaltestelle oder vielleicht auch zu Fuß aus dem nächsten Markt“, betont Schallert.

Zum Europakarree I gleich nebenan gab es keinen Architektenwettbewerb. Dort will Tempus etwa 270 Wohneinheiten errichten. Zum Europakarree II sagte Paul Börsch als Leiter des Stadtplanungsamtes: „Da ist was Besonderes passiert.“ Der Erfurter Norden sei ein Stadtteil, um den man sich eingehend und gründlich kümmern müsse. „Im Norden gibt es viele Chancen und Möglichkeiten, eine gute Infrastruktur und viel Platz, aber auch Probleme“, so Börsch. Der große Gesamtkomplex verbinde den Moskauer Platz und den Europaplatz, entwerfe damit die Zukunft für dieses Gebiet.

Dass die Stadt in die Schulen und Kindergärten im Erfurter Norden investieren müsse, wünschte sich Investor Tobias Schallert. Seine generelle Kritik an den Wettbewerbsbeiträgen: „Sie liegen alle 12 bis 15 Prozent über der Kostenobergrenze.“ Weil Tempus die Eigentumswohnungen aber unter 3000 Euro pro Quadratmeter anbieten wolle, wofür man sich von Branchenkollegen entgeistert angucken lassen müsse, gelte es, an dieser Stelle nachzubessern.

 

Lydia Werner / 17.10.18